Antiquariat Liberarius
Antiquariat Liberarius

Der Artikel beschreibt die alte Hagenower Kirche, die 1875 für den Neubau der jetzigen Stadtkirche abgebrochen wurde. Der beschriebene Altar befindet sich seit 1953 in der Stadtkirche St. Bartholomäus in Wittenburg. Die als "einen Heiligen, eine Bischofsmütze vor der Brust haltend" beschriebene Schnitzfigur, konnte später als Dionysius von Paris, dem Schutzpatron der Hagenower Kirche, identifiziert werden.

Lisch, G(eorg) C(hristian) F(riedrich): Die Kirche zu Hagenow und die Stadt Hagenow.

In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 20, Schwerin, Stiller 1855, S. 321-324.

Die Kirche zu Hagenow besteht aus einem oblongen Chore mit grader, rechtwinklig angesetzter Giebelwand, einem mit einer Balkendecke überlegten Schiffe ohne Seitenschiffe und einem Thurmgebäude. Der Chor ist im Uebergangsstyle gebauet, das Schiff im Spitzbogenstyle; die Architektur des noch festen Thurmes hat durch neuere Bauten viel gelitten. So ist der Bau jetzt beschaffen; er war aber früher ganz anders, und in den äußerst geringen Ueberresten eines alten Baues liegen die einzigen historischen Ueberreste der alten Geschichte von Hagenow.

 

Das mit einer Balkendecke überlegte, einschiffige Schiff der Kirche in seinem gegenwärtigen Zustande ist im Spitzbogenstyle mit weiten Fenstern, etwa in dem Anfange des 15. Jahrhunderts, hergestellt. So war die Kirche aber in alter Zeit nicht. Sie war in ältester Zeit niedriger; man sieht deutlich an dem Format der Ziegel, daß sie bei der Ausführung des weiten Spitzbogenstyles etwas erhöhet worden ist. Im Innern finden sich nun auch noch Spuren einer ältern Kirche, so daß es ohne Zweifel ist, daß in dem jüngern Spitzbogenbau ein alter Bau steckt; dieser alte Bau war ohne Zweifel im romanischen oder Rundbogenstyl ausgeführt. An den innern Seitenwänden des Schiffes stehen nämlich überall zwischen den Fenstern Reste von Pilastern (oder Diensten) von halbkreisförmigem Queerdurchschnitte von etwas über 1 Fuß Durchmesser, welche einst wohl dazu gedient haben, Kapitäler und Gewölbe zu tragen. Diese Pilaster sind oben und unten abgehauen und es sitzen an der Wand überall nur noch kurze Enden; oben sind sie wohl bei der Erhöhung der Kirche, unten in neuern Zeiten bei der Einrichtung der Kirchenstühle für den protestantischen Gottesdienst vernichtet. Wahrscheinlich hat das Schiff auch keinen Granitsockel; jedoch ließ sich dies augenblicklich nicht bestimmen, da der Kirchhof umher sehr hoch aufgetragen ist. Die Strebepfeiler sind auch jüngern Ursprunges; einige Mauervorsprünge an den Ecken deuten auf alte Lissenen.

 

Die Kirche und Pfarre zu Hagenow ist sehr alt und wird schon früh genannt. Nach einer in Westphalen Mon. Ined. II, p. 2048 gedruckten Urkunde des Bischofs Isfried von Ratzeburg (1180 - 1204), welche zwar nicht datirt ist, aber mit Recht in das Jahr 1183 gesetzt wird (vgl. Masch Bisth. Ratzeburg, S. 89, Not. 6), kam der Bischof Isfried mit dem Grafen Heinrich von Danneberg "in Hagenow" zusammen, um sich über die Germanisirung und die Zehnten des Landes zwischen der Walerow und Elde zu vergleichen. Schon damals war Hagenow ein Hauptort dieser Gegend und hatte eine Burg und eine Kirche. Unter den Zeugen dieser Urkunde werden der Priester Wilhelm und der Ritter Friederich in Hagenow aufgeführt:

"Testes: - - Wilhelmus sacerdos in Hagenow, Fridericus miles in Hagenow."

 

Der Ritter Friederich zu Hagenow ist wohl der Stammvater der Familie von Hagenow, welche also von der Stadt Hagenow ihren Namen hat. Diese Familie war mit den Familien von Klenow (nach dem Dorfe Klenow, jetzt Ludwigslust), von Pinnow und Wagel stammverwandt; alle führten zwei Adler= oder Greifenklauen im Schilde und eine Rose dazwischen, und auf dem Helme eine Klaue zwischen zwei Federn.

Die Burg lag neben der Kirche, und es ist aus dem Wasserlaufe die Lage der ehemaligen Burg noch jetzt zu erkennen. - In einer Urkunde des Bischofs Isfried vom J. 1194 wird die Pfarre Hagenow wieder genannt, eben so in dem Zehntenregister des Bisthums Ratzeburg vom J. 1230.

 

Es ist also sehr wahrscheinlich, daß das Schiff der Kirche, so weit ein alter Bau darin steckt, schon im 12. Jahrhundert erbauet ist, um so mehr da der auch alte Chor aus jener, wenn auch aus etwas jüngerer Zeit stammt.

Uebrigens war Hagenow zu jenen Zeiten und noch lange ein Dorf; daher ist die Kirche auch nur klein.

 

Der Chor der Kirche ist im Uebergangsstyle gebauet, welcher vorzüglich in der östlichen Wand hinter dem Altare zu erkennen ist. Diese hat drei schmale, mit glatter Leibung schräge eingehende, leise zugespitzte Fenster, welche sehr schön construirt und gemauert und durch glasurte Ziegel verziert sind, wenn auch die ganze Wand mit Kalk überschmiert ist. Der Giebel ist durch Pilaster und Bogen in demselben Style verziert. Der Chor ist also wohl um die Zeit von 1225 erbauet.

 

Die Geschichte des alten Baues wird sich also wohl so verhalten, daß etwa um das Jahr 1180 das Schiff der Kirche im  Rundbogenstyle mit einer halbkreisförmigen, kleinen Altartribune gebauet, diese aber um das Jahr 1225 abgebrochen und dafür ein größerer Chor im Uebergangsstyle angebauet ward.

 

Der Chor wird in den nächsten Zeiten vielleicht einen Umbau erleiden, da die Kirche zu klein ist. Das Schiff erhielt aber seine Umbildung in den Spitzbogenstyl wahrscheinlich um das Jahr 1400, bald darauf, als Hagenow eine Stadt geworden war.

 

In älteren Zeiten war Hagenow ein Dorf neben der Burg, welche eine Hauptburg jener Gegend war. Noch im J. 1326 war Hagenow ein Dorf, als die Gräfin Merislave von Schwerin das zu ihrem Leibgedinge gehörende "dorp tu Haghenowe" ihrem Vetter, dem Grafen Heinrich von Schwerin, überließ. Wahrscheinlich ward Hagenow zur Stadt erhoben, nachdem der Herzog Albrecht von Meklenburg im J. 1359 die Grafschaft Schwerin erworben hatte. Im J. 1363 war Hagenow ein Leibgedinge der Herzogin Euphemia, Gemahlin des Herzogs Albrecht ("Haghenowe dat use lifghedingh was"); in einer Urkunde hierüber wird aber der Name Hagenow durch keinen Zusatz bezeichnet. Dagegen wird schon am 16. Junii 1370 Hagenow ausdrücklich als Stadt aufgeführt. In diesem Tage stiftete nämlich, nach der Original=Urkunde im großherzoglichen Archive, der Herzog Albrecht zum Gedächtnisse seiner Gemahlin Euphemia und seiner Schwiegertochter Ingeburg, welche damals beide schon gestorben waren, im Dome zu Schwerin eine Vikarei mit 50 Mark lüb. Pf. jährlicher Hebung aus dem Schoß oder der Orbör der Stadt Hagenow ("de redditibus siue censu aut quocunque alio fructu opidi nostri Haghenowe"). Zur größern Sicherheit bestätigten diese Stiftung auch die Rathmänner der Stadt Hagenow durch Anhängung ihres Siegels an die Urkunde ("sigilla consulum opidi Hagheneuwe"). Die Sache wird dadurch noch sicherer, daß auch die Rathmänner und das (jetzt fehlende) Rathssiegel der Stadt genannt werden.

 

Seit dieser Zeit wird Hagenow öfter als Stadt genannt, namentlich bei Verpfändungen der städtischen Abgabe der Orbör, so z. B. im J. 1420, aus welchem eine Urkunde der "borghermestere, radmanne unde gantze menheyt der stad to Haghenowe" über die "orbare in deme rade to "Hagenow" und die "orbare uth dem schate to Haghenowe" existirt. Im Laufe des 15. Jahrh. wird über die Orbör noch einige Male verhandelt.

 

Jedoch blieb Hagenow auch als Stadt wohl noch lange unbedeutend, da es in dem Landestheilungsregister vom J. 1520 noch ein Dorf genannt wird.

 

Eine Pforte, welche vom Thurme in die Kirche führt, ist aus abwechselnd 3 Wulsten und 3 Hohlkehlen im Spitzbogenstyle construirt; eine gleiche Pforte hat die Kirche zu Grabow im Thurme.

 

An Alterthümern hat die Kirche zu Hagenow nichts weiter als einen alten geschnitzten Altar, welcher aber so schlecht ist, daß man ohne Bedenken einen neuen an seine Stelle setzen kann. Dieser Altar hat im Mittelstücke:

Christus.               Maria.

in größern Figuren, und daneben in kleinern Nischen kleinere Figuren, immer zwei über einander:

           links                                                                         rechts

                                                 oben:

     einen Heiligen,                                                          einen Heiligen

eine Bischofsmütze vor der                               mit einem Schwerte in der Rech-

      Brust haltend                                             ten und einem offenen Buche in

                                                                            der linken Hand (Paulus).

                                                 unten:

    den Ap. Jacobus,                                                    den h. Antonius

    mit Pilgerstab und                                            mit einem offenen Buche

          Muschel.                                            rechten Hand und einem Schweine

                                                                                   neben sich.

In den Flügeln stehen:

                                              die Apostel.

Die Gemälde auf den Rückseiten der Flügel sind in neuern Zeiten neu und schlecht gemalt.

Antiquariat

Antiquariat Liberarius
Frank Wechsler
Königsstrasse 13
19230 Hagenow

Telefon: 03883-66844803883-668448
Telefax: 032121249610

E-Mail: info@liberarius.de

E-Mail: antiquariat-liberarius@online.de

 

USt.Id.-Nummer: DE257740465

Das Buch

Der erste schreibt es,
Der zweite vertreibt es,
Der dritte verschmäht es,
Der vierte ersteht es,
Den fünften entflammt es,
Der sechste verdammt es,
Der siebente schätzt es,
Der achte versetzt es,
Der neunte verpumpt es,
Der zehnte zerlumpt es,
Der elfte vergräbt es,
Der zwölfte verklebt es
Zu Tüten, denn im Krämerladen
Da kommen sie schliesslich alle zu Schaden!

Heinrich Seidel

Buchempfehlungen für Mecklenburg

Wappen der Großherzöge von Mecklenburg, 19. Jahrhundert

Verlag Friedrich Bahn Schwerin 1891-1945

Regionales

Werft in Boizenburg um 1910
Druckversion Druckversion | Sitemap
© © Antiquariat Liberarius